Nierentransplantation

Neben der Hämodialyse und der Peritonealdialyse stellt die Nierentransplantation die dritte wichtige Möglichkeit der Nierenersatztherapie dar. Der Idealfall der Transplantation ist die isogene Transplantation, d.h. Die Organübertragung zwischen genetisch identischen Individuen (eineiige Zwillinge).
Bei der allogenen Nierentransplantation stammt das Transplantat von einem genetisch unterschiedlichen Individuum der gleichen Art.

Organbeschaffung, Organkonservierung, Empfängerauswahl, Transplantationsvorbereitung

Als Nierenspender kommen nahe Verwandte (Eltern, Geschwister) des potentiellen Organempfängers oder aber Verstorbene in Betracht.

Die Organspender sollen folgende Vorbedingungen erfüllen.

Der Verstorbene (gesicherter Hirntod) sollte bis zuletzt eine stabile Kreislauffunktion haben und beatmet worden sein, eine ausreichende Diurese über 1,5l/24h soll vorhanden sein. Das Alter des Organspenders soll zwischen 5 und 50 Jahren liegen. Beim Organspender sollen keine Infektionskrankheiten, keine bösartigen Geschwulsterkrankungen, kein Hochdruck und keine Nieren- oder sonstigen schwerwiegenden Stoffwechselkrankheiten vorliegen und schließlich sollen die Spendernieren eine anatomisch normale Gefäßversorgung aufweisen.

Als potentielle Organspender kommen also besonders jüngere Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma in Betracht.

Der irreversible Hirntod wird von einem unabhängigen Ärzteteam (nicht von den transplantierenden Ärzten) festgestellt wobei folgende Kriterien Berücksichtigung finden:
- Fehlende Pupillenreflexe
- Fehlende Spontanatmung
- Fehlende elektroencephalographische Aktivitäten mit fehlender intracerebraler Gefäßdarstellung.

Falls der Organspender nicht auf einem Organspendeausweis sein Einverständnis zur Organentnahme zu Lebzeiten bestätigt hat, muss das Einverständnis der Angehörigen eingeholt werden.

Vor der Organentnahme sind dann noch bestimmte Laboruntersuchungen sowie die Blutentnahme zur Gewebetypisierung erforderlich.

Die Methodik der Organentnahme ist standardisiert. Die Organentnahme muss äußerst sorgfältig durchgeführt werden, die Zeitdauer vom Kreislaufstillstand des Spenders bis zur Unterkühlung des Organs soll möglichst kurz sein (erste warme Ischämiezeit).

Auswahlkriterien für Transplantationskandidaten, Dringlichkeit der Transplantation

Die Durchführung der Nierentransplantation ist aus medizinischen, ethischen aber auch aus ökonomische Gründen wünschenswert. Eine obere Altersgrenze für Transplantationskandidaten existiert heute kaum noch, natürlich ist bei Patienten mit einem Lebensalter über 60 Jahre zu prüfen, ob mit der Weiterführung der Dialyse, hinsichtlich der gesamten Lebenserwartung, nicht die gleichen Ergebnisse zu erzielen wären wie bei der Durchführung einer Nierentransplantation. Entscheidend ist das biologische, nicht das kalendarische Alter.

Transplantationsvorbereitung

Im Rahmen der Transplantationsvorbereitung werden die Patienten zunächst gründlich durchuntersucht, um Kontraindikation und prämorbide Zustände, die dem Transplantationserfolg gefährden könnten, zu erkennen und ggf. durch vorbereitende Behandlungsmaßnahmen zu beseitigen. Die Patienten werden über die Durchführung, Erfolgsaussichten der Nierentransplantation sowie mögliche Komplikationen informiert, die Gewebetypisierung wird durchgeführt und ggf. die Möglichkeit einer Lebendspende mit dem Organspender zusammen abgeklärt. Die Patienten sollen schließlich in Vorbereitung auf die Transplantation selbst günstige Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Verlauf des Eingriffes schaffen und selbst einen Beitrag zur Erhaltung der Transplantationsfähigkeit leisten: regelmäßige Medikamenteneinahme Rauchen einstellen gute Blutdruckeinstellungen, ggf. Reduktion des Körpergewichtes usw. Wartezeit: ca. 7-9 Jahre Wartezeit bis man eine Niere bekommt Welche Organisation regelt die Spende oder Transplantation? ? Eurotransplant Kriterien für die Organvergabe sind dabei unter anderem die Wartezeit (ab Beginn der Dialyse) sowie die Übereinstimmung der Gewebsverträglichkeitsmerkmale (HLA-Merkmale) von Spender und Empfänger. Darüber hinaus wird das Herkunftsland von Spender und Empfänger sowie die Entfernung zwischen der Organentnahme und dem Transplantationszentrum berücksichtigt.
Kontraindikation für Transplantation: Tumorpatienten

Komplikationen nach Transplantation

Abstoßung des Transplantates
Infektionen Herz- Kreislauferkrankungen
Diabetes mellitus
Rückkehr der Grunderkrankung

Die durchschnittliche Funktionszeit einer transplantierten Niere liegt bei etwa neun Jahren, es gibt aber auch Nieren, die nach 20 oder mehr Jahren noch eine gute Funktion aufweisen. Die Überlebenszeiten der transplantierten Patienten sind heute deutlich größer als die der Dialysepatienten. Nierentransplantierte Menschen müssen ? sofern das Spenderorgan nicht dasselbe genetische Material besitzt (Spende an eineiigen Zwilling) ? ein Leben lang Medikamente nehmen, die die Abstoßung verhindern.

Operationsverfahren

Im Gegensatz zur Herztransplantation oder der Lungentransplantation wird die Nierentransplantation in der Regel heterotop durchgeführt, das heißt das Spenderorgan wird nicht an die Stelle der eigenen Nieren transplantiert, sondern außerhalb des Bauchfells im Bereich des Beckens. Die Blutgefäße der Spenderniere werden dabei in der Regel an die Beckengefäße angenäht, während der Transplantatharnleiter direkt mit der Blase verbunden wird. Die eigenen Nieren können daher zumeist im Körper verbleiben, nur bei speziellen Indikationen müssen sie vor oder nach der Transplantation entfernt werden. In den meisten Fällen nimmt das Transplantat noch während der Operation die Funktion auf, in einigen Fällen sind allerdings postoperativ noch einige Dialysen notwendig. Operative Komplikationen sind unter anderem Infektionen, Blutungen,eine Verengung des Transplantatharnleiters sowie die Ausbildung von Narbenbrüchen nach der Operation.

Immunsuppression nach Nierentransplantation

Um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, müssen nach erfolgter Transplantation Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem des Empfängers so dämpfen, dass das Spenderorgan nicht vom Immunsystem des Empfängers angegriffen wird. Diese Medikamente bezeichnet man als Immunsuppressiva. Die meisten Nierentransplantationen in Deutschland werden durch postmortale Organspenden ermöglicht. Jährlich werden etwa 2200 postmortale Organe (Nieren) transplantiert, verglichen mit nur etwa 400 Lebendnierenspenden. Bei einer Nierentransplantation werden die beiden Nieren des Organempfängers in der Regel im Körper belassen. Vor Beginn der Operation wird dem Patienten ein Zugang zur Halsvene gelegt. Darüber können ihm Medikamente verabreicht werden. Außerdem wird ein Blasenkatheter gelegt. Bereits vor der Operation präpariert der Operateur die Spenderniere, damit sie für die Transplantation bereit ist. Im Verlauf der Operation wird sie dem Patienten in das so genannte kleine Becken eingesetzt. Dazu muss der Chirurg mit einem bogenförmigen Schnitt an der entsprechenden Stelle den Körper öffnen. Anschließend legt der Chirurg Beckenvene und Beckenarterie des Empfängers frei und verbindet diese mithilfe einer speziellen Technik mit der Nierenarterie und -vene des Spenderorgans. Nun schließt er den Harnleiter des neuen Organs an die Harnblase an. Am Ende der Transplantation legt er einen Drainageschlauch und beginnt damit, den Körper wieder zu verschließen. Die Operation ist damit beendet. Eine Niere reicht vollkommen aus, um zukünftig das Blut des Patienten zu filtern. Da jeder gesunde Mensch über zwei Nieren verfügt, sind die Voraussetzungen für eine Lebendspende sehr günstig. Circa 20 % aller transplantierten Nieren stammen in Deutschland mittlerweile von Lebendspendern - bei steigender Tendenz.